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Eingesperrt und depressiv? Teil II

Die Haltung von Meeressäugern im Loro Parque Teneriffa

Die Haltung von Meeressäugern in zoologischen Gärten und Aquarien ist mittlerweile sehr umstritten. In der Tat deutlich stärker, als die Haltung der meisten anderen Tiere. Auch Menschen, die Zoos sonst eher positiv betrachten, lehnen die Haltung dieser Tiere aus vielen Gründen komplett ab. Die Tiere seien depressiv, ihrer Freiheit und Würde beraubt. Zusätzlich wird dieser Eindruck durch „Skandale“, in Form von Videos oder Fotos, bestärkt.

Im Februar dieses Jahres war es mir erfreulicherweise gestattet, einen Blick hinter die Kulissen der Tierhaltung im Loro Parque auf Teneriffa zu werfen. Dort werden derzeit zwei Arten von Delfinen gehalten: Schwertwale (Orcinus orca) und Große Tümmler (Tursiops truncatus). (Eine Anmerkung vorab: Der Einfachheit halber verwende ich im weiteren Verlauf den Begriff „Delfin“, wenn ich mich auf beide Arten beziehe.)

In dieser Reihe blicke ich auf die wichtigsten Themen der Meeressäugerhaltung, zeige populäre Irrtümer auf und erläutere anhand des Beispiels im Loro Parque, was ein modernes Delfinarium ausmacht.

Teil II: Gesund und munter?

Nachdem im ersten Teil die Unterbringung der Tiere beleuchtet wurde, geht es nun weiter mit dem Thema Gesundheit. Auch hier kursieren wieder viele unterschiedliche Beiträge und Meinungen im Netz, so dass es für den Laien mitunter sehr schwierig ist, gesicherte Fakten von einfachen Behauptungen zu unterscheiden.

Die Lebenserwartung

Orcas

Über die Lebenserwartung von Zahnwalen in menschlicher Obhut gibt es unzählige Angaben, für Orcas unterscheiden sich diese besonders stark. In manchen Fällen wird für weibliche Schwertwale eine Lebenserwartung von ca. 80-100 Jahren sogar als Normalwert angegeben, wohingegen sie bei Tieren in Gefangenschaft nur etwa 10-30 Jahren betragen soll. Für Männchen sind die Zahlen in beiden Fällen meist etwas niedriger angesetzt. Natürlich entsteht so für viele der Eindruck, dass die Haltung der Tiere in Zoos und Aquarien einen deutlich negativen Einfluss auf die Gesundheit und damit auch die Lebenserwartung zu haben scheint.

Ursprung dieser Einschätzung ist das Schwertwalweibchen J2, besser bekannt als „Granny“, ein Mitglied der Southern Residents im nordöstlichen Pazifik, welche angeblich ein Alter von über 100 Jahren erreicht haben soll. Als in den 1970er Jahren Forscher damit begannen, die Schwertwalpopulationen im Nordost-Pazifik genauer zu studieren, wurden die einzelnen Tiere katalogisiert. Beim Alter musste man sich auf Schätzungen anhand von Verhalten und Größe der Tiere verlassen. Es war damals schon bekannt, das die Weibchen auch nach überschreiten des fortpflanzungsfähigen Alters (mit etwa 40 Jahren) noch einige Zeit weiterleben und in den Familienverbänden eine wichtige Rolle spielen. Mit etwa 20 Jahren sind Orcas ausgewachsen, weshalb Granny/J2 zu Beginn der Forschungsarbeiten auf mindestens dieses Alter geschätzt wurde. Häufig war sie in Begleitung eines ebenfalls ausgewachsenen Schwertwalbullen, J1 „Ruffles“, anzutreffen. Anhand der Art, wie die beiden Tiere miteinander agierten, nahmen die Wissenschaftler an, dass Ruffles/J1 der Sohn von Granny/J2 sei. Außerdem wurde kein Jungtier an ihrer Seite gesehen, weshalb man nun davon ausging, dass sie das fortpflanzungsfähige Alter schon zu diesem Zeitpunkt überschritten hatte und Ruffles ihr letzter Nachkomme sei. Nach diesen Beobachtungsergebnissen schätzten sie das Alter von Ruffles auf etwa 20, das von Granny auf etwa 60 Jahre. Viel später stellte sich jedoch anhand genetischer Tests heraus, dass die beiden Tiere nicht verwandt sind (Ford et al. 2011). Granny wurde im Januar 2017 für tot erklärt, nach dem Sichtungen mehrere Monate ausblieben. Anhand der neuen Untersuchungsergebnisse wird Granny zum Zeitpunkt ihres Todes auf ein Alter zwischen 60 und 85 Jahren geschätzt (Robeck et al. 2016). Trotzdem ist dies ein beeindruckendes Alter. Dennoch bleibt hier die Frage nach der durchschnittlichen Lebenserwartung bestehen, denn diese kann man nicht anhand eines einzigen Tieres festmachen. In der 2015 im Journal of Mammalogy von Robeck et al. publizierten Arbeit über die geschätzte mittlere Lebenserwartung von zwei residenten (= ortstreuen) Schwertwalpopulationen im Nordost-Pazifik und der Tiere aus den amerikanischen SeaWorld-Parks (aus deren Zucht auch die Orcas im Loro Parque stammen) werden folgende Ergebnisse angegeben:

Südlicher NO-Pazifik (SR): 20,1 Jahre für Männchen bzw. 29,0 Jahre bzw. für Weibchen (Zu dieser Population gehörte auch Granny/J2!)

Nördlicher NO-Pazifik (NR): 29 Jahre für Männchen bzw. 42 Jahre für Weibchen

SeaWorld (Wildfänge mit eingerechnet): 28,8 Jahre für Männchen bzw. 41,6 Jahre für Weibchen

SeaWorld (Nur dort geborene Tiere, also ohne Wildfänge): 33,1 Jahre für Männchen bzw. 47,7 Jahre für Weibchen

Diese Ergebnisse lassen deutlich erkennen, dass das biblische Alter von Granny eben doch nicht der Normalfall ist. Natürlich müssen auf diesem Feld noch weitere Ergebnisse eingeholt werden, damit noch präzisere Aussagen getroffen werden können, denn auch hier hat man sich im Fall der wilden Schwertwale nur auf Schätzungen verlassen können. Für die Tiere aus SeaWorld gilt das ebenso, da die meisten Tiere dort noch gar nicht dieses Alter erreicht haben, da sie erst im Zeitraum der letzten 20 Jahre zur Welt kamen. Und dennoch lässt sich jetzt schon sagen, dass man nicht mehr allein mit der angeblich sehr hohen Lebenserwartung wilder Schwertwale gegen die Haltung der Tiere in Gefangenschaft argumentieren kann. Außerdem sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass Orcas erst seit den 1960er Jahren in menschlicher Obhut gehalten werden. Das ist eine recht kurze Zeit, verglichen mit anderen Spezies. In diesem Zeitraum wurden viele neue Erkenntnisse gewonnen, und damit auch die Lebensbedingungen der Tiere immer weiter verbessert. Die häufigen und frühen Tode vieler Tiere zu Beginn ihrer Haltung sind hauptsächlich auf das damals noch fehlende Wissen über sie zurückzuführen.

Die derzeit im Loro Parque lebenden Orcas stammen alle, mit Ausnahme von Morgan, direkt oder indirekt aus der Zucht SeaWorlds:

Keto (*1995): 21 Jahre

Kohana (*2002): 15 Jahre

Skyla (*2004): 13 Jahre

Tekoa (*2000): 17 Jahre

Adán: (*2010 im Loro Parque): 7 Jahre

Große Tümmler

Der zuletzt 2014 fotografierte Große Tümmler „Nicklo“ war zu diesem Zeitpunkt ca. 64 Jahre alt. Dieses Tier gehört der intensiv erforschten Population aus der Sarasota Bay vor Florida an. Ob Nicklo noch am Leben ist, konnte ich leider nicht herausfinden. Das bisher älteste Tier in einem Delfinarium war „Nellie“, welche 1953 im Marineland Dolphin Adventure in Florida zur Welt kam. Sie verstarb dort 2014 im Alter von 61 Jahren. Hierbei handelt es sich aber wieder nur um zwei Extremfälle. Es ist sehr schwierig, wissenschaftliche Daten über die durchschnittliche Lebenserwartung wilder Delfine zu finden. Die Angaben reichen, je nach Quelle, von etwa 15 bis 25 Jahren. Verlassen wir uns auf die höchste Schätzung von etwa 25 Jahren, ist diese geringer als die Lebensdauer der Tiere in wissenschaftlich geführten Delfinarien. Die meisten Großen Tümmler erreichen dort mittlerweile ein Alter von mindestens 34 Jahren, wenn man sich die Altersangaben der Ceta Base anschaut.

Das derzeit älteste Tier im Loro Parque ist etwa 33 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit.

Abschließend lässt sich zur durchschnittlichen Lebenserwartung beider Arten sagen, dass sie in modernen Einrichtungen schätzungsweise ähnlich oder sogar höher liegt, als die ihrer Artgenossen in freier Wildbahn. Man sollte außerdem bedenken, dass eine exakte Angabe des Alters wilder Exemplare äußerst schwierig ist, da man weder den Tag ihrer Geburt noch den Zeitpunkt ihres Todes genau kennt. In allen Fällen sollte zudem berücksichtigt werden, dass diese Einschätzungen nur dann gelten, wenn die Tiere das kritische erste Lebensjahr überstanden haben. Denn Delfine kommen so gut wie ohne Immunsystem zur Welt, was sie besonders anfällig macht. Letztendlich verlässt man sich dabei also immer mehr oder weniger auf Schätzungen, welche genaue Ergebnisse unmöglich machen. Auch in Delfinarien kann man nicht so einfach verlässliche Angaben machen, da sich die Haltungsbedingungen der Tiere in den letzten 20 Jahren enorm verbessert haben. Wenn man also die Todesfälle aus früheren Zeiten mit einbezieht, misst man die Lebenserwartung nicht am heutigen Standard dieser Tierhaltung. Zudem muss darauf hingewiesen werden, dass man sich für die Ermittlung von Daten nur auf gut geführte, wissenschaftlich betreute Einrichtungen beziehen sollte. Die sehr kleinen und wenig tiergerechten Delfinarien mancher Länder haben nicht selten weitaus frühere und häufigere Todesfälle in ihren Tierbeständen zu beklagen und stocken ihre Bestände deshalb auch heutzutage noch mit Wildfängen auf.

Von Kopf bis Fluke

Augen

Hin und wieder ist zu lesen, dass Orcas und Delfine in Gefangenschaft zu gereizten Augen neigen würden. Dies soll durch das angeblich stark chlorierte Wasser der Becken verursacht werden. Belegt werden solche Vorwürfe durch die Fotos von offenbar stark tränenden Augen dieser Tiere.

Dazu lässt sich erst einmal sagen, dass die meisten Delfinarien heute entweder gänzlich auf Chlor verzichten oder dieses nur in verschwindend geringen Mengen einsetzen, welche keinen Einfluss auf die Augen der Tiere haben. Der Loro Parque nutzt für seine Becken aufbereitetes Meerwasser aus dem Atlantik.

Der dickflüssige Tränenfilm dient dem Schutz der Augen vor Verschmutzung. Wale und Delfine besitzen keine Wimpern, die das Auge vor Verunreinigungen schützen, und produzieren deshalb den schmierigen Tränenfilm in großen Mengen. Auf diesem Foto eines wilden Schwertwals ist die Tränenflüssigkeit gut zu sehen.

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Der dickflüssige Tränenfilm ist kein Symptom gereizter Augen
Zähne

Vor allem über die Zähne von Orcas in Meeresparks wird regelmäßig diskutiert. Diese zeigen häufig Abnutzungserscheinungen, die, so wird zum Beispiel von der Tierrechtsorganisation PETA behauptet, Resultat der Haltung in Gefangenschaft seien. Die Tiere würden aus Frust an den Wänden ihrer Becken kauen, und damit ihre Zähne immer weiter abnutzen. Welche Ursachen diese angebliche Frustration habe, wird nicht genau erläutert. Die psychische Verfassung der Tiere wird ohnehin erst Thema des nächsten Artikels sein. Zumindest kann aber, wie in Teil 1 beschrieben, es sicher nicht einfach auf das „eingesperrt sein“ an sich zurück geführt werden. Es empfiehlt sich mal wieder ein Blick auf wilde Schwertwale und deren Zähne. Orcas werden, wie schon zuvor erwähnt, in verschiedene Ökotypen mit ganz unterschiedlichen Lebensweisen und bevorzugter Nahrung eingeteilt. Laut der Beschreibung des Posters sind für die Typen „Offshore“ und „Type 1 Eastern North Atlantic“ stark abgenutzte Zähne keine Seltenheit. Bisher nimmt man an, dass dies hauptsächlich auf die jeweilige Nahrung der Tiere zurückzuführen ist- mag es doch sehr plausibel klingen, absolut sicher ist das noch nicht. Orcas besitzen keine Hände, und müssen daher alles mit den Zähnen ertasten und untersuchen, weshalb ein stärkerer Verschleiß eigentlich keine Überraschung sein sollte. Im Loro Parque, genau wie in anderen Einrichtungen mit Schwertwalen, werden regelmäßige Zahnkontrollen durchgeführt und Zähne bei Bedarf behandelt. Auch in diesem Bereich müssen weitere wissenschaftliche Ergebnisse gesammelt werden, bevor eine endgültige Aussage getroffen werden kann.

Rake Marks

Eine zerkratzte Haut ist bei Zahnwalen tatsächlich kein Anzeichen einer Hautkrankheit oder übermäßige Aggression untereinander. Die Skandal-Bilder aus dem Loro Parque, welche angeblich schwere Hautverletzungen der Orcas zeigen, verlieren durch diese Erklärung ihre schockierende Wirkung. Sogenannte Rake Marks sind nämlich Teil des natürlichen Sozialverhaltens, sowohl bei den Tieren im Freiland als auch solchen in Delfinarien. Die oberflächlichen Kratzer sind Zahnspuren von Artgenossen, welche mit dieser Art der Interaktion zum Beispiel ihre Dominanz demonstrieren. Auch Muttertiere nutzen ihre Zähne, um das Verhalten ihrer Kälber zu korrigieren. Diese Kratzer sind in den meisten Fällen nicht besonders tief und verheilen rasch. Während einiger Whale Watching-Touren vor der Küste Teneriffas konnte ich sowohl Kurzflossen-Grindwale (Globicephala macrorhynchus) als auch Große Tümmler fotografieren. Individuen beider Arten zeigen unterschiedlich stark ausgeprägte Rake Marks, wie auf den Fotos zu sehen ist.

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Atlantischer Großer Tümmler (Tursiops truncatus truncatus)
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Kurzflossen-Grindwal (Globicephala macrorhynchus)
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Atlantischer Großer Tümmler (Tursiops truncatus truncatus)

Dr. Ingrid Visser, eine der heftigsten Kritiker des Loro Parque, publizierte 1998 selbst eine Arbeit über die Rake Marks bei wilden Orcas vor der Küste Neuseelands. Dennoch behauptet sie heute, diese wären bei den Tieren in Delfinarien ein Zeichen übermäßiger Aggression. Extreme Bisswunden, welche die Tiere angeblich hätten, konnte ich zur Zeit meines Besuches im September 2016 und Februar 2017 nicht finden. Ich bemerkte jedoch, dass Tekoa mehr dieser Kratzspuren aufweist als die anderen Tiere. Er ist ein junges, weniger dominantes Männchen, und dementsprechend sind Rake Marks bei ihm in größerer Zahl vorhanden.

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Kohana hat als dominantes Weibchen weniger Rakemarks..
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.. als der weniger dominante Tekoa

Ist das besorgniserregend? Ich persönlich sage nein. Wenn man seine Haut mit der wildler Artgenossen vergleicht, wirkt sie nicht besonders auffällig. Wann es nötig ist einzugreifen, weil ein Tier zu sehr von seinen Artgenossen angegangen wird, obliegt der fachkundigen Entscheidung der Pfleger und Tierärzte.

Finne

Wieder einmal eine Thematik, die ausschließlich bei Orcas Beachtung findet. Im Gegensatz zu den Großen Tümmlern kann man das Geschlecht eines ausgewachsenen Orcas an seiner Rückenflosse, der Finne, bestimmen. Die Finne ist beim Männchen bis zu 2m hoch, die der Weibchen ist deutlich kleiner. Bei Betrachtung der Orcas in menschlicher Obhut fällt selbst dem Laien schnell auf, dass die Finnen der Männchen immer umgeknickt sind. Das wird dann gerne von Tierrechts-Aktivisten als ein körperlicher Ausdruck für die Trauer und das Leid der „gefangenen“ Orcas gesehen.

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Orca-Bulle Keto im Loro Parque

Wie hier gut zu sehen ist, hat auch Schwertwal Keto aus dem Loro Parque eine geknickte Finne. Wenn man die wirkliche Ursache dafür finden möchte, sollte man sich zuerst mit der Anatomie der Tiere befassen. Die Rückenflosse aller Waltiere besteht aus Bindegewebe und wird nicht durch Knochen gestützt. Sie dient der Stabilisation beim Schwimmen und ist nicht beweglich. Also kann schon einmal ausgeschlossen werden, dass die Tiere sie willkürlich aufgrund von Unwohlsein hängen lassen können. Der wirkliche Grund für diese Besonderheit ist, einfach gesagt, die Schwerkraft. Orcas in Delfinarien verbringen durch die Interaktion mit Pflegern und das Ausbleiben langer Tauchgänge zur Nahrungssuche viel mehr Zeit an der Oberfläche als ihre wilden Artgenossen.

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Skelett eines Orcas im Senckenbergmuseum Frankfurt: Die Rückenflosse enthält keinerlei Knochen

Durch die umgeknickte Rückenflosse haben die Tiere in Gefangenschaft keine bisher nachgewiesenen Schäden oder Nachteile. Sogar einzelne Fälle von wilden Exemplaren mit einer geknickten Finne sind schon dokumentiert worden. Die Rückenflossen weiblicher Orcas sind sowohl im Freiland als auch in Delfinarien nicht von diesem Phänomen betroffen, bedingt durch die geringere Größe ihrer Finne.

Wie sieht es mit Medikamenten aus?

Nicht selten liest man davon, dass Delfine mit Medikamenten „ruhig gestellt“ werden, um ihr Leben im Delfinarium zu ertragen. Bis heute ist kein stichhaltiger Erweis erbracht, dass es im Loro Parque oder anderen Delfinarien zum Missbrauch von Medikamenten gekommen ist. Ohnehin wäre solch ein fahrlässiger Umgang zumindest in den meisten Ländern der EU nicht erlaubt, da die Verabreichung von Medikamenten an Zootiere nur bei tatsächlichem Bedarf gestattet ist. In Deutschland wie auch auf Teneriffa wird dies regelmäßig durch die jeweils zuständigen Behörden kontrolliert. Wer sich für die Details der medizinischen Betreuung von Meeressäugern interessiert, dem ist die Website des Duisburger Delfinariums zu empfehlen. Die Aufzeichnungen medizinischer Behandlungen der Großen Tümmler im Delfinarium des Zoo Duisburg sind hier öffentlich zugänglich.

Die Behauptung, man würde den Tieren sogar Psychopharmaka geben, ist ebenfalls nicht einmal annähernd belegt. Das in diesem Zusammenhang oftmals genannte Diazepam wirkt beim Menschen zwar wirklich als eine Art Stimmungsaufheller, für Delfine wird es aber tatsächlich nur bei Bedarf als Appetitanreger eingesetzt. Das kann zB der Fall sein, wenn ein Tier aufgrund einer Erkrankung die Futteraufnahme verweigert. Ist das Tier genesen und frisst wieder eigenständig, wird auch die Medikation beendet. Man sollte hierbei auch bedenken, dass Zoos in der Tat am Überleben ihrer Schützlinge interessiert sind, und dass eine grundlose Verabreichung von Medikamenten auf die Dauer ausgesprochen negative Auswirkungen auf Gesundheit und Fruchtbarkeit der Tiere hat. Selbst wenn man der Meinung sein sollte, dass Zoos und Aquarien nicht wirklich aus Liebe zu den Tieren an deren Wohlergehen interessiert sind, so sollte man zumindest einsehen, dass dies schon aus rein wirtschaftlicher Sicht wenig Sinn ergibt.

Nichtsdestotrotz können auch Tiere in menschlicher Obhut krank werden oder sich verletzen, mögen sie noch so gut umsorgt sein. Ist das Argument genug gegen die Haltung von Wildtieren? Das ist jedem selbst überlassen. Es sei jedoch gesagt, dass auch wildlebende Tiere erkranken und sterben. Und dies tun sie meist an deutlich schlimmeren Ursachen als in einem guten Zoo, denn ein Tod durch Altersschwäche ist in freier Wildbahn ausgesprochen selten.

 

Teil I: Ein Leben im Planschbecken?

Teil III: Beschäftigung und Training

Teil IV: Die Sache mit Morgan (folgt)


Alle Bilder unterliegen meinem Copyright, sofern sie nicht anderweitig gekennzeichnet sind. Jegliche Nutzung ohne meine ausdrückliche Erlaubnis ist untersagt.

3 Kommentare zu „Eingesperrt und depressiv? Teil II

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