Allgemein · Zoologische Gärten

Teneriffa- ein Reisebericht, Teil I

Der Loro Parque

Im September 2016 verbrachte ich mit zwei guten Freundinnen einen zweiwöchigen Urlaub auf Teneriffa. Den bekannten Loro Parque wollten wir definitiv mehrfach besuchen- am Ende wurden es ganze acht Mal, und das nicht ohne Grund!

Der Loro Parque gehört zu den beliebtesten Besucher-Attraktionen der gesamten Kanaren. 1972 vom gebürtigen Kölner Wolfgang Kiessling gegründet und ursprünglich als  Papageien-Park angelegt, beherbergt der Loro Parque heute eine Vielzahl verschiedener Tiere; darunter die weltweit größte Papageien-Sammlung, Große Tümmler, Flachlandgorillas und Schwertwale.

Rundgang durch den Zoo

Thailändisches Dorf

Der Eingang selbst ist schon eine Attraktion, denn das „Thailändische Dorf“ mit seinen sechs Häusern ist eigens von Handwerkern in Thailand gebaut und später an seiner jetzigen Stelle aufgestellt worden. Die Häuser sind allesamt kunstvoll verziert und die Dachgiebel sogar mit Blattgold versehen. Das Thailändische Dorf wurde 1993 von der thailändischen Prinzessin Galyani Vadhana eingeweiht. Drei Jahre später reiste sogar die Königin Sirikit höchstpersönlich an, um den Park zu besuchen.

In einem dieser Häuser kann man eine Sammlung schöner Porzellan-Papageien bestaunen, die zum Teil sehr realistisch gestaltet sind. An das Thaidorf schließt sich ein großer Teich an, in dem unzählige Koi-Karpfen und zwei Trauerschwäne (Cygnus atratus) schwimmen.

Gorilla-Anlage und Seelöwen-Show

 Es folgt die Anlage für Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla), die mit 3.500 Quadratmetern Fläche den sechs Tieren viel Platz bietet und mit reichlich Vegetation sehr naturnah gestaltet ist. Zum Außenbereich gehört auch ein Wasserfall, und zwei große Scheiben ermöglichen es den Besuchern, die Tiere aus nächster Nähe zu bestaunen. Bei dieser Gorilla-Gruppe handelt es sich um eine „Junggesellen-Gruppe“, die ausschließlich aus Männchen besteht. Diese Konstellation gibt es auch in der Natur, wo der Nachwuchs nach einiger Zeit seine Gruppe verlassen muss und sich mit anderen Geschlechtsgenossen zusammenschließt. Hier bilden die Tiere eine Reserve, denn sobald ein anderer Zoo ein Zuchtmännchen für seine Gruppe benötigt, werden die Tiere dorthin weitervermittelt. Bis es soweit ist, genießen die Gorillas ihr Junggesellen-Dasein. Im Innenbereich hat jedes Tier sein „Zimmer“ samt Fußbodenheizung und zur abendlichen Entspannung der Gorillas wird hier leise klassische Musik abgespielt (Dieser Bereich ist für den Besucher nicht einsehbar, jedoch darf man bei der Discovery-Tour einen Blick hinein werfen).

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Ein Mitglied der „Junggesellen“

Gegenüber der Gorilla-Anlage erstreckt sich ein großer Palmen-Hain mit 750 Kentia-Palmen (Howea), in dem sich auch ein Paar Ostafrikanische Kronenkraniche (Balearica regulorum gibbericeps) frei bewegen kann.

Die Seelöwen-Show mit Kalifornischen Seelöwen (Zalophus californianus) findet im vorderen Bereich der Anlage statt, die restlichen Bereiche sind für Besucher nicht einzusehen. Das tiefe Becken mit klaren Scheiben ermöglicht es, die Tiere während der Vorführung sowohl über als auch unter Wasser zu beobachten. Seit Haltungsbeginn verzeichnet der Park ganze zwanzig Jungtiere aus eigener Nachzucht.

Wie bei allen Shows empfehle ich, sich ca. 15 Minuten vor Beginn dort einzufinden.

Chimpland

Die Schimpansenhaltung nahm 1982 ihren Anfang, als der Loro Parque konfiszierte Tiere  aufnahm, die zuvor als Touristenattraktion von Straßenfotografen gehalten wurden; 2013 kamen weitere Tiere dazu. Die mehrmals überholte Anlage ist heute sehr naturnah und abwechslungsreich mit Lianen, Baumstämmen, Wasserfällen sowie Termitenhügeln ausgestattet, um ausreichende Beschäftigung für die Tiere zu gewährleisten.

 Planet Penguin

Gleich beim Betreten wird man durch eine großzügige Anlage für Humboldtpinguine (Spheniscus humboldti) auf das Thema eingestimmt. Interessant an  dieser Anlage ist nicht nur die naturgetreu gestaltete Felswand; das Becken reicht sehr tief und die unteren Bereiche werden von mehreren Zackenbarschen und Rochen bewohnt, welche man vor dem Ausgang des Hauses noch einmal an einer separaten Scheibe beobachten kann. Nach der Anlage für die Humboldtpinguine betritt man einen Tunnel, welcher mit echten Eisplatten verziert ist. Er dient als Übergang in die Hauptanlage des Hauses, eine große Gemeinschaftshaltung von Königspinguinen (Aptenodytes patagonicus), Eselspinguinen (Pygoscelis papua), Felsenpinguinen (Eudyptes chrysocome) und Zügelpinguinen (Pygoscelis antarctica). Die beeindruckende Anlage ermöglicht es den Besuchern, die Tiere sowohl an Land als auch unter Wasser durch eine Scheibe hindurch zu beobachten. Die Beleuchtung ist dem antarktischen Jahreszeiten-Rhythmus angepasst, was den Tieren einen natürlichen Lebenszyklus ermöglicht; erfolgreiche Nachzuchten sind das Resultat. Schnee und eine abwechslungsreiche Gestaltung der Anlage mit großen Felsblöcken rundet das Bild der antarktischen Landschaft ab und bietet für jede Art ein passendes Habitat. Für die Besucher gibt es ein begehbares Fließband, mit dem man bequem von einem Ende zum anderen der Scheibe fahren kann und verhindert außerdem Gedrängel und Stau auch bei großem Besucherandrang. Außer den Pinguinen beherbergt das Haus auch eine Gruppe Papageientaucher (Fratercula arctica) in einer eigenen Anlage, sowie einen mächtigen Acrylglaszylinder, der sich über beide Ebenen des Hauses zieht und den ein großer Schwarm Wolfsbarsche (Dicentrarchus labrax) bewohnt.

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Blick in die Antarktisanlage von Planet Penguin

Orca Ocean

Seit 2006 beherbergt der Loro Parque als eine von nur zwei Einrichtungen in Europa Schwertwale (Orcinus orca). Die vier Tiere (2,2) sind allesamt Nachzuchten und stammen aus den SeaWorld-Themenparks in den USA. Die Anlage ist in mehrere Becken unterteilt, der Show-Pool ist das größte Becken und misst an seiner tiefsten Stelle ca 12,5m. Außerhalb der Shows können die Tiere sich frei entscheiden, wo sie sich aufhalten möchten. Mittlerweile ist der Bestand auf sechs Tiere angewachsen; „Adán“, die Erstnachzucht im Loro Parque kam 2010 zur Welt und „Morgan“, ein taubes Weibchen, welches 2010 an der niederländischen Küste strandete. Das fehlende Hörvermögen wurde, entgegen haltloser Anschuldigungen vermeintlicher „Tierschützer“, wissenschaftlich bestätigt und eine Auswilderung ist und bleibt somit unmöglich. Die niederländische Regierung entschied daraufhin, Morgan 2011 in den Loro Parque bringen

zu lassen, wo sie ein tiergerechtes Leben unter Artgenossen führen kann. Mittlerweile hat sich Morgan gut eingelebt und man kann sie oft im Spiel mit dem jungen Männchen Adán beobachten. Die Trainer haben eigens für sie Lichtsignale statt der gewöhnlichen Pfiffe eingeführt, um die Kommunikation und das Training für sie zu ermöglichen. Die sechs Tiere sind mittlerweile schon mehrfach in diverse Forschungsprojekte einbezogen worden, und helfen damit auch, den Erhalt ihrer Artgenossen im Freiland zu sichern.

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Die täglichen Vorführungen ziehen viele Besucher an

Die täglichen Vorführungen finden, wie bei allen anderen Tieren auch, auf freiwilliger Basis statt und sind nicht nur Trainingseinheit, sondern auch Beschäftigung.

 

Auch hier gilt, man sollte ca. 15 Minuten vor Showbeginn schon dort sein. Außerdem sollte man, sofern man teures technisches Gerät dabei hat oder generell kein Freund von kaltem Meerwasser ist, die unteren Ränge tunlichst meiden.

Delfinarium

Das seit 1987 bestehende Delfinarium ist eine der Hauptattraktionen im Park. Es werden derzeit zehn Große Tümmler (Tursiops truncatus) beherbergt. Nachzucht hat sich auch hier eingestellt, 2011 kam das Weibchen Ilse zur Welt. Das Beckensystem fasst insgesamt ca. 7 Millionen Liter Meerwasser. Nur das Hauptbecken ist während der Shows für die Besucher einsehbar, unter den Sitzreihen verläuft eine Verbindung zu den hinteren Becken. Die täglichen Shows sind nicht nur Training und Beschäftigung für die Tiere, sondern auch informativ für den Besucher. Es wird unter anderem gezeigt, wie mit einem gestrandeten Delfin umzugehen ist oder wie die Delfine ihren Flossen einsetzen und wie sie korrekt bezeichnet werden.

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Hier wird der korrekte Umgang mit einem gestrandeten Delfin demonstriert

 

Raubkatzen

Die Raubkatzen des Parks fasse ich hier in einem Absatz zusammen, obwohl ich anmerken muss, dass sie nicht an der selben Stelle zu finden sind. Die Tiger befinden sich beim Delfinarium, Die Jaguare beim Orchideenhain.

Die beiden weißen Tiger (Panthera tigris) werden auf einer abwechslungsreichen Anlage gehalten, die durch einen Wassergraben von der Umzäunung getrennt ist. Die Tiger kann man meiner Erfahrung nach am besten am späten Nachmittag beobachten.

Die Jaguare (Panthera onca) bewohnen eine Anlage, die ihrem natürlichen Lebensraum in Mittel- und Südamerika nachempfunden ist. Dazu gehört auch eine großzügige Bepflanzung, weshalb man oftmals etwas länger braucht, bis man einen Blick auf die Tiere erhascht. Ein großer Baumstamm dient außerdem als Schlafplatz und mit etwas Glück kann man hier ein Tier beim Dösen beobachten. Derzeit bewohnt nur ein melanistisches Exemplar die Anlage.

Alligatoren

Dem Weg folgend gelangt man zu den Mississippi-Alligatoren (Alligator mississippiensis). Mit etwas Glück kann man hier einer Fütterung beiwohnen, bei der die Tiere einzeln über einen langen Greifstock gefüttert werden. Das vermeidet Streitigkeiten unter den Tieren und gewährt die Sicherheit der Pfleger, die immer zu mehreren das Gehege betreten. Das Becken ist durch eine Scheibe umgrenzt, durch die man auch diverse Fische unter Wasser beobachten kann.

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Ein Mississippi-Alligator während der Fütterung

Papageien

Die Papageien fasse ich hier allgemein zusammen, da sich der Bestand über den gesamten Park in diversen Volieren und Anlagen verteilt. Der Loro Parque ist weltweit führend in der Zucht und Haltung seltener Papageien. Die Tiere im Park selbst stellen nur einen Bruchteil dar; die Zuchtstation La Vera, etwa zwei Kilometer entfernt vom Loro Parque, beherbergt den Großteil des Bestandes, der etwa 4.000 Tiere umfasst. Der Loro Parque und die zugehörige Stiftung Loro Parque Fundación haben durch die Förderung diverser in-situ Projekte sowie durch die Erfolgreiche Zucht seltener Arten nicht unerheblich zum Erhalt dieser beigetragen. Ein bekanntes Beispiel sind die Spix-Aras (Cyanopsitta spixii) welche auch durch den Loro Parque vor dem Aussterben bewahrt werden konnten.

Im Park gibt es gleich mehrere Attraktionen mit Papageien. Die „Loro Show“ findet mehrmals täglich statt, hier demonstrieren unterschiedliche Papageien und Kakadus ihre Lernfähigkeit. Seit 2010 ist „Katandra Treetops“, eine Freifluganlage für unter anderem Loris, Edelpapageien und Kakadus, ein Highlight des Parks. Der Besucher kann hier sowohl am Boden als auch in mehreren Metern Höhe den Vögeln nahe kommen. Außerdem werden in einer eigenen Babystation einige der Nachzuchten gezeigt, und man kann zuschauen, wie sich die Pfleger um die Küken kümmern.

Für den interessierten Papageienfreund gibt es im Loro Parque gleich mehrere Raritäten zu bestaunen, etwa Tasmanische Gelbohr-Rabenkakadus (Calyptorhynchus funereus xanthanotus), bei denen 2016 die europäische Erstnachzucht gelang. Den Maronenstirnsittich (Rhynchopsitta terrisi) gibt es in Europa nur hier zu sehen, ebenso wie den Tuisittich (Brotogeris sanctithomae). Oft werden mehrere Unterarten nebeneinander gezeigt, was einem ermöglicht, die unterschiedlichen Merkmale zu vergleichen. Generell sind fast überall eine oder mehrere Volieren zu finden, obgleich diese immer großzügig bemessen und so konzipiert sind, dass die Tiere auch bei starkem Besucherandrang keinem Stress ausgesetzt sind. Oftmals wird schon durch die Bepflanzung um die Volieren herum mindestens eine Seite verdeckt. Die Volieren sind variabel in Artenzahl und Besatzgröße. Vor allem bei den Loris lassen sich auch viele Interaktionen zwischen verschiedenen Arten beobachten.

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Tasmanische Gelbohr-Rabenkakadus sind in Europa nur hier zu sehen

Aquarium

Nach Betreten des Aquarium wird der Besucher durch die gelungene Nachbildung eines Abschnitts des Amazonas auf die Themenwelt eingestimmt. Auf der Seite der Besucher kann durch die Scheibe eine Vielzahl an Fischen beobachtet werden, darunter Schwarze Pacus (Colossoma macropomum) und Rotflossen-Antennenwelse (Phractocephalus hemioliopterus). Die Rückseite ist einem Uferbereich nachempfunden, Lianen und Äste hängen von der Decke. Aufmerksame Beobachter können vielleicht das Pärchen Weißohrturakos (Tauraco leucotis) entdecken, dass hier freifliegend gehalten wird.

In einem weiteren Becken werden Unechte Karettschildkröten (Caretta caretta) gehalten, welche oftmals verletzt an der Küste gefunden und hier bis zur Auswilderung (wenn möglich) gepflegt werden. Außerdem werden mehrere große Becken mit schönen Riffnachbildungen gezeigt, denn die Zucht von Korallen wird hier erfolgreich betrieben.

Der mehrere Meter lange Haitunnel ist das Herzstück des Aquariums. Hier schwimmen Atlantische Ammenhaie (Ginglymostoma cirratum), Leopardenhaie (Stegostoma fasciatum), verschiedene Rochen und große Fische über die Köpfe der Besucher hinweg. Bei den Leopardenhaien wurde im November 2016 eine Nachzucht verzeichnet.

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Ein Atlantischer Ammenhai im Haitunnel des Aquariums

Außerdem erwähnenswert

..ist die Haltung von Kurzkrallenottern (Aonyx cinerea), Galapagos-Riesenschildkröten (Chelonoidis niger), sowie eine schöne Anlage für Kleine Pandas (Ailurus fulgens). Ebenfalls werden Capybaras (Hydrochoerus hydrochaeris) und Große Ameisenbären (Myrmecophaga tridactyla) in einer Gemeinschaftsanlage gezeigt, bei welcher man mit etwas Glück die Capybaras beim Schwimmen sowohl über als auch unter Wasser sehen kann.

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Tauchende Capybaras

Im „Animal Embassy“ kann man sich über verschiedene bedrohte Arten und die Schutzbemühungen der Loro Parque Fundación informieren.

Hinweise und Empfehlungen

Ich empfehle jedem, der sich für das Geschehen jenseits der vom Besucher sichtbaren Bereiche interessiert, an der Discovery-Tour teilzunehmen, welche man gleich hinter dem Eingang buchen kann. Hier kann man nicht nur einen Blick in die Schlafräume der Gorillas werfen, sondern darf zum Beispiel auch bei den Schwertwalen durch die Unterwasserscheiben hinter den Kulissen schauen.

 

Abschließend möchte ich noch Herrn Rades danken, der sich freundlicherweise für uns so viel Zeit genommen hat. Außerdem gilt mein Dank Katharina und Philipp, es hat mich sehr gefreut euch kennen zu lernen!

Wer sich im Detail über den Loro Parque und seine Tiere informieren will, dem empfehle ich folgende Seiten:

Loro Parque Blog

zoos.media

Meeresakrobaten

Wer noch mehr über die Tiere im Loro Parque lesen möchte, kann dies im Artikel meiner Freundin Britta, die ebenfalls über unseren Aufenthalt geschrieben hat, tun.


Alle Bilder unterliegen meinem Copyright, sofern sie nicht anderweitig gekennzeichnet sind. Jegliche Nutzung ohne meine ausdrückliche Erlaubnis ist untersagt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar zu „Teneriffa- ein Reisebericht, Teil I

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